// Biographien

Dr. Leopold Rosenak

Geboren am 30.9.1868 in Nádas (Ungarn). Studium in Pressburg am Rabbinerseminar und in Bern. Verheiratet mit Bella Carlebach, geboren 24. November 1876 in Lübeck. Sie emigrierte 1941 in die USA.

1896 nahm er die Arbeit als erster Rabbiner in Bremen auf. Seine Aufgaben waren neben der Betreuung der Gemeinde: die Reorganisation des Schulwesens in seiner Aufgabe der Schulleitung und Betreuung der Emigranten, was ihm durch seine Sprachkenntnisse leicht fällt.

1897 bekommt das Ehepaar einen Sohn: Ignatz Rosenak, der als ausgebildeter Jurist 1938 nach New York emigriert. 1900 wird ihre Tochter Cilly geboren und

1904 folgt ihre Tochter Hanna, die später Rosenaks Nachfolger im Rabbineramt heiratet: Dr. Felix Aber.

1900 erhält die jüdische Gemeinde nach einer Eingabe beim Senat durch Dr. Rosenak ein Monopol auf das Schächten auf dem städtischen Schlachthof, so dass der Gemeinderabbiner in der Lage war, für die „unter Aufsicht des Rabbinats“ hergestellten Fleischwaren die religiöse Verantwortung zu übernehmen.

Dr. Rosenak wurde ein Jahr darauf Leiter der Zweigstelle „Hilfsverein der deutschen Juden, Abteilung Bremen“, die 1901 in der Düsternstraße 7 eingerichtet wurde. Dieser Hilfsverein machte es sich zur Aufgabe, die von Osteuropa durchreisenden Auswanderer zu betreuen.

Ab 1904 bekommt Dr. Rosenak einen Assistenten für die Arbeit im Hilfsverein, da der Arbeitsaufwand ständig größer wurde. Im Jahre 1906 wurden – bedingt durch die vorangegangenen Pogrome in Russland – 26.755 Personen betreut.

Ab September 1907 gilt ein Vertrag zwischen dem Hilfsverein und dem Norddeutschen Lloyd zur „Behandlung und Verpflegung jüdischer Emigranten“. Einrichtung koscherer Küchen an Bord der Dampfer des NL und des „Hotel Stadt Warschau“, dass von Missler in der Findorffstraße betrieben wird.

Während des Ersten Weltkriegs wird Rosenak von der Gemeinde beurlaubt und geht freiwillig als Armeerabbiner nach Kowno (Litauen). Für seinen Dienst erhält er Orden und Auszeichnungen und die Anerkennung von Ludendorff und Hindenburg.

Gestorben am 16.8.1923 mit 55 Jahren auf der Rückreise  von New York an Bord des Lloyddampfers „München“ im Beisein seiner Frau und Tochter Hanna. In New York arbeitete er für die Hebrew Immigrant Aid Society für bessere Bedingungen der Auswanderer.

Seine Tochter heiratete Dr. Felix Aber, der 1924 die Nachfolge Rosenaks als Gemeinderabbiner antrat. Er wurde während der Pogromnacht deportiert und emigrierte darauf gemeinsam mit seiner Frau am 17. Januar 1939 in die USA. Sein Sohn wurde Jurist und stand dem „Bremer Komitee für hilfsbedürftige jüdische Auswanderer“ vor. Er flüchtete am 1. September 1938 in die USA, wo er 1957 verstarb.


Charlotte Levy-Abraham

Charlotte Levy wurde am 09.02.1923 in Bremen Mitte geboren. Ihre Eltern waren

Maximilian und Sophie Else Abraham. Ihr Vater war Inhaber eines Geschäftes „Kurzwaren en gros“. Der Boykott jüdischer Geschäfte, der seinen Anfang am 1. April 1933 nahm, trug zur Schließung des Geschäftes bei. Später arbeitete Maximilian Abraham als Bibliothekar für die Winterhilfe der jüdischen Gemeinde, die Mutter Sophie Else half im Jüdischen Altersheim aus. Charlotte besuchte zuerst die Michaelisschule (Volksschule) und später das städtische Lyzeum an der Kleinen Helle. Sie hatte einige

Schulfreunde, zu denen der Kontakt jedoch immer schwieriger wurde. Im Jahre

1937 fing Charlotte eine Ausbildung in der Uhrengroßhandlung bei Max Meyer in der Sögestraße an. Die Berufsschule konnte Charlotte jedoch nicht beenden, weil es Juden 1938 verboten wurde, öffentliche Schulen zu besuchen. Für Juden wurde es immer unerträglicher in Bremen zu leben. Maximilian und Sophie Else Abraham entschlossen sich schweren Herzens, Charlotte mit einem Kindertransport nach England zu bringen. Am 3. Mai 1939 musste Charlotte allein mit dem Kindertransport nach England fahren. Ihre Eltern sah sie das letzte Mal auf dem Bremer Hauptbahnhof. Maximilian und Sophie Else Abraham wurden am 18. November 1941 nach Minsk deportiert und dort umgebracht.


Golly Dowinsky, geb. Grünberg

Golly Dowinsky wurde am 6. Januar 1922 in der Bremer Neustadt geboren. Ihr Vater – Hermann Grünberg – war Kaufmann, ihre Mutter hieß Elisabeth Grünberg, geboreneGolly mit ihrem Mann Dave und ihren Eltern Geercken. Golly hatte einen fünf Jahre älteren Bruder: Hermann. Sie besuchte die Oberschule in der Kleinen Helle und die Religionsschule im jüdischen Gemeindehaus.

In der Reichspogromnacht verhaftete die Gestapo den Bruder und den Vater, beide wurden nach Sachsenhausen deportiert. Da es kurz nach der Reichspogromnacht 1938 jüdischen Schülern verboten wurde öffentliche Schulen zu besuchen, musste Golly die Schule verlassen. Von 1940 bis 1943 machte Golly schließlich eine Ausbildung als Krankenschwester im jüdischen Krankenhaus in Berlin. „Das einzige, was man als jüdisches Mädchen noch lernen konnte, war Säuglingsschwester oder Krankenschwester….“ Erinnerte sie sich später. 1943 wurde Golly verhaftet und kam ins Konzentrationslager Theresienstadt. Ein Jahr später, im Herbst 1944, kam sie ins berüchtigte Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau. In Auschwitz-Birkenau wurden die älteren und schwächeren Menschen vergast und verbrannt, die jüngeren mussten sich

ausziehen und wurden am ganzen Körper kahl geschoren, so schilderte Golly Dowinsky ihre schrecklichen Erfahrungen bei einem Besuch in Bremen 1997. 1944 kam sie dann in das Arbeitslager Groß-Rosen nach Niederschlesien. Zu Essen gab es dort nur wenig, ¼ Brot und eine Wassersuppe am Tag. Am 20. Januar 1945, nur wenige Wochen vor der Befreiung durch die sowjetische Armee, wurden Golly und andere Frauen auf den Todesmarsch gebracht. Der Marsch dauerte bis Ende April 1945 und führte von Schlesien bis nach Sachsenhausen. Viele der erschöpften Frauen kamen dabei durch die winterliche Kälte oder durch Entkräftung um oder wurden „auf der Flucht“ erschossen. Goldine überlebte, sie wog am Ende noch 35 kg. Ihr Bruder Hermann wurde 1941 von Bremen nach Minsk deportiert und dort ermordet.


Josephine Löwenthal, geb. Posnansky

Josephines Eltern, Emanuel Posnansky und Rebekka Posnansky (geb. Kirson), stammten ursprünglich aus Polen und wanderten nach Bremen aus, wo JosJosephine mit ihrer Schwester Mary 1929ephine am 2. Juni1920 das Licht der Welt erblickte. Drei Jahre später wurde ihre Schwester Mary geboren. Die NS-Diktatur machte der Familie schwer zu schaffen. In den Jahren 1933 und 1934 waren die Eltern nicht mehr bereit, ihre Ferien in Deutschland zu verbringen, stattdessen machten sie Urlaub in den Niederlanden. „Wenn wir spazieren gingen, kamen wir an Schaufenstern vorbei, die die antisemitische Zeitung ‚Der Stürmer‘ ausstellten. Darin wurden Juden mit langen krummen Nasen und verschlagenen Gesichtsausdrücken dargestellt, und der Text handelte nur von schrecklichen Verbrechen, die Juden angeblich begangen hatten“, erinnert sich ihre Schwester später.

Als polnische Staatsangehörige wurde die Familie immer wieder diskriminiert und schließlich, wie alle Polen, am 28. Oktober 1938 in ihr Heimatland abgeschoben. Im März 1939 erhielt der Vater eine Einreisegenehmigung für Australien, wo Felix Harber,

der Bruder seines engsten Freundes, lebte. Am 31. Mai reisten sie dann schließlich aus Łódź wieder nach Hamburg, um von dort nach Melbourne in Australien weiterzufahren.

Nach sieben langen Wochen haben die Posnanskys es geschafft, nach Australien zu reisen. Erst war es für die Familie schwer, sich zu integrieren, doch schließlich war auch die letzte Hürde überwunden. Josephine lebt heute in Canterbury.


Manfred Grünberg

Manfred Grünberg wurde 1926 in der Bremer Neustadt geboren. Seine Eltern waren Wally und Harry Grünberg. Manfred hatte eine Schwester. Ihr Name war Ruth. DieManfred Grünberg und sein Vater Harry 1929 am Wall in Bremen Familienmitglieder der Grünbergs lebten in Bremen in der Wiesbadener Straße, der Isarstraße,der Hohentorsheerstraße, der Kohlhökerstraße und der Langemarckstraße 149. Hier stand Manfred Grünbergs Elternhaus. Viele seiner Angehörigen sind während der Zeit des Nationalsozialismus entweder geflohen oder ermordet worden. Die Grünbergs waren vor der Zeit des Nationalsozialismus angesehene Bürger Bremens und betrieben in Bremen Handel z.B. mit Baumwolle und Altglas. Der Besitz der Grünbergs musste 1939 unter Preis verkauft werden und wurde „arisiert“. Ein Teil der großen Familie zerstreute sich und floh unter anderem nach England, Brasilien und Argentinien. Diejenigen, die Bremen nicht verlassen konnten oder wollten, wurden in Konzentrationslager wie Theresienstadt deportiert und umgebracht. Manfred Grünberg floh mit seinen Eltern und der Schwester nach England. Sie versuchten von dort aus weiter nach Amerika zu kommen. 1941 erhielten sie endlich eine Berechtigungsnummer  für die Einreise in die USA, konnten aber wegen des Krieges die Überfahrt nicht antreten. Ein Jahr nach Kriegsende erhielten sie dann das Einreisevisum in die USA, wo Manfred und seine Schwester Ruth ihren Nachnamen in Johnson änderten – aus Angst vor weiterer Verfolgung. Manfred lebt heute in den USA.


Manfred Posener

Manfred Posener wurde am 1. Juni 1924 in Bremen geboren. Er hatte keine Geschwister aber fünf Cousins. Manfreds Mutter hieß Clara und sein Vater David. Er war von BerufManfred Posener mit seiner Mutter Clara und seinen Großeltern Ida und Albert Salomon Kaufmann, durfte aber seinen Beruf unter den Nationalsozialisten nicht

mehr ausüben. Manfred wohnte mit seinen Eltern in der Waller Heerstraße 50. Die Wohnung konnten sie sich aber nicht mehr leisten und zogen in die Synagoge im Stadtzentrum um. Hier konnte der Vater als Synagogendiener arbeiten und die Familie konnte hier gemeinsam mit der Großmutter, Ida Salomon  wohnen. Manfreds Vater wurde während der Reichspogromnacht in das Konzentrationslager Sachsenhausen deportiert. Manfreds Großmutter beging auf Grund dieser schrecklichen Erlebnisse Selbstmord. Manfreds Vater kam wieder frei und die Familie floh nach Belgien. Manfreds Eltern wurden in dem mittlerweile von den Deutschen besetzten Belgien verhaftet. Sein Vater wurde im Vernichtungslager Majdanek in Polen ermordet. Seine Mutter Clara wurde in das Konzentrationslager Auschwitz verschleppt und dort ermordet. Manfred schlug sich nach Paris durch, das jedoch Mitte Juni 1940 von deutschen Truppen besetzt wurde. Er wurde drei Wochen nach seiner Mutter ebenfalls in das KZ Auschwitz verschleppt und dort ermordet. Manfred war 18 Jahre alt.