// Rosenak Haus

Die Geschichte des ehemaligen Gemeindehauses

der Israelitischen Gemeinde Bremen: 1926-1938

1803 ist das Gründungsjahr der Israelitischen Gemeinde Bremen. Ihre Synagoge befand sich seit 1876 in der Gartenstraße 6 (heute Kolpingstraße). 1919 wurde im Erdgeschoss der Synagoge ein Gemeindebüroeingerichtet, das zunächst das „Jüdische Wohlfahrtsamt“ beherbergte.

1926 vergrößerte sich der Grundstückskomplex der Synagoge durch den Ankauf von Grundstücken im Schnoor. Rosenak-Haus 1928Das Nachbargrundstück der Synagoge, die Gartenstraße 7, wurde ebenfalls erworben.

Am 13. September 1927 wurde, als erste Etappe auf dem Wege zur Schaffung eines größeren Synagogenkomplexes, die Einweihung des neuen Gemeindehauses – des „Rosenak-Hauses“ – vorgenommen. Nach der religiösen Hausweihe fanden sich in dem Haus, in dem bis zur Einweihung ein Lehrsaal und ein modernes Klassenzimmer zur Benutzung fertig gestellt waren, die Vorsteher, Gemeinderäte und Vertreter der Gemeindevereine zusammen. Sie begrüßten die Gemeinde mit den Worten „Möge das Licht der Thora in diesen Räumen nie erlöschen und eine Quelle der Befriedigung werden für die kommenden Geschlechter“. Der neue Lehrsaal war für Sitzungen und Ausschüsse der Gemeindevertreter und für den Unterricht vorgesehen. Außerdem sollten hier die Gemeindevereine Platz finden und ein Treffpunkt für die jüdische Jugend entstehen.

In der zweiten Hälfte des Jahres 1928 fand die Fertigstellung der Klassenzimmer, des Konferenzzimmers der Lehrer sowie des Gemeindebüros ihren Abschluss. Das „Rosenak-Haus“ beherbergte das Büro der Gemeindeverwaltung, das werktags von 9-12 Uhr geöffnet war und unter anderem für die religiösen Feste (z.B. Bar Mizwah-Feiern), für Eheschließungen und Geburteneinträge, Schulanmeldungen oder Wohnungsänderungsanzeigen zuständig war.

Außerdem befanden sich hier die Räume für die Religionsschule, das Büro des Jüdischen Wohlfahrtsamtes und die von Leopold Rosenaks Schwiegersohn und Nachfolger im Rabbineramt Dr. Felix Aber eingerichtete jüdische Lehrbibliothek. Zahlreiche Vereinigungen, wie der Kranken-Wohltätigkeits-Verein, der Israelitische Frauenverein und die Jugendvereinigung trafen sich regelmäßig im Rosenak-Haus. Der Gemeindevorstand organisierte außerdem Vorträge, die im Lehrsaal des Rosenak-Hauses von herausragenden Persönlichkeiten des jüdischen Lebens Nordwestdeutschlands gehalten wurden.

Seit 1901 hielt die Israelitische Gemeinde täglich – abends und morgens – Gottesdienste ab, die mit der Fertigstellung des Rosenak-Hauses dorthin verlegt wurden, weshalb es auch die „kleine Synagoge“ genannt wurde.

Brand der SynagogeIn der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938, der sogenannten „Reichskristallnacht“, wurde die Synagoge der jüdischen Gemeinde von SA-Männern geplündert und in Brand gesteckt. Das Rosenak-Haus wurde ebenfalls geplün-dert, das Gebäude blieb aber unversehrt.

Fünf Menschen wurden in dieser Nacht von SA-Männern in Bremen ermordet und 162 jüdische Männer in sogenannte „Schutzhaft“ genommen. Zu Fuß mussten sie durch die Innenstadt zum Zuchthaus Oslebshausen marschieren. Von dort wurden sie in das Konzentrationslager Oranienburg-Sachsenhausen verschleppt. Die Entlassung fand erst nach Glaubhaftmachung einer baldigen Ausreise aus Deutschland statt. Anfang Dezember kehrten die ersten Männer aus ihrer Gefangenschaft nach Bremen zurück.

Im Dezember 1938 begann die Gemeinde erneut am Sabbatgottesdienste abzuhalten. Hierfür wurden Räumlichkeiten in der Kohlhökerstraße 6 benutzt. Das Haus gehörte einer inzwischen emigrierten jüdischen Familie, die es ihrer Gemeinde zur Verfügung gestellt hatte.

Das Rosenak-Haus wurde zwangsarisiert und gelangte in den Besitz eines Nachbarn, der nach Kriegsende erst nach längeren Verhandlungen bereit war, das Gebäude der Israelitischen Gemeinde Bremen zurückzugeben. Nachdem die Gemeinde aus Geldmangel einen geplanten Umbau des Rosenak-Hauses nicht realisieren konnte, verkaufte sie in den 50er Jahren das Haus und das Grundstück der ehemaligen Synagoge.